SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

über Banken hat, zum Beispiel durch eine geringere Regulierung und weniger Trans- parenz- und Eigenkapitalvorschriften, wer- den zuweilen als systemisches Risiko für das Finanzsystem gesehen. Frau Stucken- berg,wiesehenSiedas? Stuckenberg: Die angesprochenen Unter­ schiede im Regulierungsniveau werden in der Tat diskutiert. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Fonds strukturell anders ausgestaltet sind als Banken, nicht über Einlagen refinanziert sind und ande­ ren regulatorischen Mechanismen unter­ liegen. Aus meiner Sicht knüpft die Frage eines möglichen systemischen Risikos daher weniger an der Assetklasse als sol­ cher an, sondern vielmehr an konkreten Faktoren wie Leverage, Konzentrations­ risiken, Liquiditätsmanagement und Governance – und genau dort setzt der Gesetzgeber inzwischen gezielter an. Wie betreiben Sie die Risikodiversifikation in Ihren Portfolios, Herr Riebow? In welche Branchen investierenSie? Riebow: Wir konzentrieren uns auf den Dienstleistungssektor, zum Beispiel Indus­ trial Services oder Services im Software­ bereich und für Immobilien. Mittler: Gesucht sind Unternehmen, die diversifizierte Businessmodelle sowie sta­ bile und planbare Cashflows vorweisen und bei denen eine hohe Wahrscheinlich­ keit besteht, dass sie die Zinszahlungen bedienen und den Kredit am Ende der Laufzeit zurückzahlen können. Je plan­ barer, desto besser. Dasgilt aber branchenunabhängig. Mittler: Das ist grundsätzlich branchen­ unabhängig. Für uns ist Private Credit ein Bottom-up-Thema, beispielsweise in den Bereichen Healthcare oder Software. Kommendeshalbforschungs-undentwick- lungsintensive Branchen, zum Beispiel die Pharmaindustrie, nicht infrage? Mittler: Sie fallen nicht komplett heraus, sind aber weniger stark vertreten. Mohr: Es geht nicht in erster Linie darum, in welche Branchen man investieren will. Die Charakteristika der Unternehmen bestimmen mehr oder weniger die Bran­ chenallokation. Venc: Ein Sector Lending sollte man nicht machen. Man sollte sich die Unternehmen genau anschauen. Und es gibt sehr schöne Nischenunternehmen in Sektoren, die vielleicht nicht ganz einfach sind. Aller­ dings ist imMarkt eine höhere Allokation von Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Software, IT und stabilen Konsumgütern zu sehen. Und der Energiesektor, insbesondere die erneuerbarenEnergien? Venc: Energiewende und Strukturwandel sind ein Thema, aber weniger für Corpo­ rate Credits, sondern mehr im Bereich Infrastrukturfinanzierungen. Das Energiethema ist durch den Iran-Krieg erneut sehr präsent. Wie resilient ist denn die Assetklasse Private Debt gegen solche exogenenStörungen? Riebow: Wir haben in den letzten vier Jahren einige exogene Schocks gesehen und gut überstanden. Nehmen wir den Mittelstand in den USA: Er bildet die sechstgrößte Ökonomie der Welt. Klar, vor explodierenden Energiepreisen ist keiner geschützt, aber mittelständische Unternehmen sind oft resilienter als große Konzerne. » Wenn es nach dem Wirtschaftswachstum ginge, müssten Sie das meiste in Asien investieren. Aber die Renditen korrelieren nicht immer mit der BIP-Entwicklung. « Jan Hoffmann , Finvia Jan Hoffmann leitet beimFrankfurter Multi-Family-Office Finvia den Bereich Alternative Investments, der bei der strategischen Asset Allocation für vermögende Privatkunden einenwichtigen Baustein darstellt. 22 fondsprofessionell.de 2/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL SACHWERTE Roundtable SPEZIAL

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