SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026

Venc: Eine starke Diversifi‑ kation macht die Portfolios so resilient wie möglich. Das heißt: maximale Allo‑ kation pro Einzeltitel, Sek‑ tor und Land. Wenn das erfüllt ist, investiert man in eine schöne Assetklasse mit einem historisch belegten guten Rendite-Risiko-Profil. WelcheVorschriftengibtesfür die Investmentdiversifikation und den Leverage im KAGB fürPrivate-Debt-Fonds? Stuckenberg: Für kredit‑ vergebende AIF sieht das KAGB nach der Änderung durch das Fondsrisikobe‑ grenzungsgesetz inzwischen relativ konkrete Vorgaben vor. Auf der Diversifikations‑ seite gilt insbesondere eine Konzentrationsgrenze von 20 Prozent des Fondsvermögens je Kredit‑ nehmer, soweit es sich um Finanzunter‑ nehmen, AIF oder OGAW handelt. Hin‑ sichtlich des Leverage enthält das KAGB explizite Höchstgrenzen: 175 Prozent für offene und 300 Prozent für geschlossene kreditvergebende AIF, jeweils berechnet nach der Commitment‑Methode. Hoffmann: Als Investor möchte man nicht, dass die 20 Prozent Maximalallokation ausgeschöpft werden. Denn in der Regel gibt es keine Equity-Komponenten, über die Ausfälle kompensiert werden können, und es gibt kein Upside-Potenzial bei der Rendite, da man auf den vorher festgeleg‑ ten Zins beschränkt ist. Daher müssen Risiken, so gut es geht, minimiert wer‑ den. Je breiter die Diversifikation ist, umso geringer ist das Ausfallrisiko. Das möch‑ ten die Investoren haben. Riebow: Die Diversifikation ist die ein‑ fachste Risikominimierungsstrategie. In unserem ELTIF dürfen höchstens 1,5 Prozent des Fondsvermögens auf einen Kreditnehmer entfallen. Ziel ist, dass kein Kreditnehmer oberhalb von einem Pro‑ zent liegt. Mohr: Die Qualität eines Asset Managers macht auch aus, dass er imDeal Sourcing entsprechend breit streut. Hoffmann: Deshalb muss man vor dem Fondsinvestment analysieren, ob der Manager einen Investmentprozess hat, mit dem er seine historische Rendite wiederholen kann. Riebow: Der Asset Mana‑ ger hat ein eigenes Interesse an der Risikominimierung durch die Diversifikation, da er von Investoren kein Geld mehr bekommt, wenn der Track Record plötzlich schlechter wird. ImVertriebgehtesimKontext der geopolitischen und welt- wirtschaftlichen Lage auch um die Frage, wie viel in ein Land, eine Region und eine Branche fließt – und ob das stimmig ist. Hoffmann: Wenn es nach dem Wirtschaftswachstum ginge, müssten Sie das meiste in Asien investieren. Aber die Renditen korre‑ lieren nicht immer mit der BIP-Entwicklung. ImKredit‑ geschäft geht es darum, sta‑ bile Unternehmen und prognostizierbare Cashflows zu bekommen. Ob das Unter‑ nehmen in Stockholm oder in Lissabon sitzt, spielt keine Rolle. Riebow: Die Ausfälle, die wir sehen, sind nicht durch ein Land oder eine Branche getrieben, sondern sind idiosynkratisch, also wegen jeweils firmenspezifischer Pro‑ bleme, entstanden. Sie sagten vorhin, dass der Asset Mana- ger bei Private Debt in Ermangelung eines Upside-PotenzialsimPrinzipnurRisikomini- mierenkann.HabenwiresimPrivate-Debt- Markt mit Risikovermeidern und nicht mit Chancensuchernzu tun? Mittler: Das beschreibt den Fokuswandel, den wir sehen. Früher war Private Debt oft getrieben durch die Frage, welcher Manager den besseren Zugang zu den Transaktionen und das bessere Deal Sour‑ cing hat. Mittlerweile geht es mehr und mehr darum, wer das beste Investment‑ » Im Fall eines Defaults sind Fonds flexibler als Banken, weil sie maßgeschneiderte Lösungen verhandeln können. « Benjamin Mohr , Creditreform In der Geschäftsleitung von CreditreformRating ist Benjamin Mohr unter anderem für die Kundenbetreuung und das Research verantwortlich. fondsprofessionell.de 2/2026 23

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=