SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
bleiben Singles und Paare in eigentlich zu großenWohnungen, weil sich der Umzug in kleinere nicht lohnt. Die Fluktuation nimmt seit Jahren ab, und die durch- schnittliche Mietvertragsdauer steigt. In Berlin verdoppelte sie sich teilweise in den vergangenen 15 Jahren auf 22 Jahre. Strenges Mietrecht In Deutschland wurde 2015 eine Miet- preisbremse eingeführt; zunächst für fünf Jahre, aber 2020 wurde sie um fünf Jahre verlängert. Im Sommer 2025 prolongierte die Bundesregierung die Gültigkeit bis Ende 2029. „Die Mietpreisbremse adres- siert das Symptom, nicht die Ursache. Denn sie beseitigt nicht die Angebots- knappheit“, ärgert sich Dieter Lahner, Geschäftsführer von Wide Wertimmobi- lien Deutschland. Doch damit nicht genug: Im Frühjahr beschloss das Bundeskabinett den nächs- ten Verschärfungsschritt. Das von Bun- desjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) vorgelegte Mietrecht II deckelt Indexmie- ten oberhalb einer Inflationsschwelle von drei Prozent zur Hälfte, regelt Möblie- rungszuschläge mit einer Pauschale von zehn Prozent der Nettokaltmiete und begrenzt Kurzzeitmietverträge auf sechs Monate. Gleichzeitig sollen „Schlupflö- cher“ in der Mietpreisbremse beseitigt werden. Iris Schöberl, Präsidentin des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), sieht darin ein „falsches Signal an Inves- toren“. Die politischen Eingriffe „schwä- chen die Investitionsbereitschaft und ver- schärfen damit mittel- und langfristig die angespannte Situation auf denWohnungs- märkten“, mahnt sie. In Berlin, wo im September das Landes parlament neu gewählt wird, will die Poli- tik noch eins draufsetzen. Denn im April kündigten CDU und SPD ein Mietenka taster an – ein digitales Register, in dem die Daten aller 2,2 Millionen Mietverhält- nisse erfasst werden sollen. Bei mehr als zehn Prozent Überschreitung der ortsübli- chen Vergleichsmiete ergehen automatisch Hinweise an die Vermieter; ab 20 Prozent ist die Wohnungsaufsicht zuständig und, so der Plan, ab 50 Prozent die Staatsanwalt- schaft. Die SPD kündigte zusätzlich eine „Mietenpolizei“ mit 100 Kontrolleuren an. Das politische Wetteifern hat unkalku- lierbare Folgen und schadet dem Markt. Der Neubau lahmt, obwohl Hunderttau- sende Wohnungen fehlen, und er kommt unter diesen Umständen nur schwer in die Gänge. Das IW prognostiziert für 2026 nur rund 215.000 Fertigstellungen – weit unter dem politischen Ziel von 400.000. Fondsmanager Lahner stellt die Vertrauensfrage: „Investoren brauchen vor allemPlanungssicherheit. Wer Objekte erwirbt, professionell bewirtschaftet und mit einemmittelfristigen Anlagehorizont von rund zehn Jahren hält, baut seine Kalkulation auf dem auf, was heute gilt. Wenn gesetzliche Grundlagen in diesem Zeitraumwiederholt verändert oder rück- wirkend infrage gestellt werden, zieht Kapital sich zurück. Das ist keine Über reaktion – das ist vernünftiges kaufmän- nisches Handeln.“ Regulatorischer Druck Parallel zieht der Gesetzgeber die Dau- menschrauben auf der Energieseite an. Das geplante neue Gebäudemodernisie- fondsprofessionell.de 2/2026 61 Überhitzte Ballungszentren Viele Wohnungsmärkte in Deutschland sind angespannt – zu wenige Baufertigstellungen verschärfen die Situation, weil viele Menschen nach dem Zinsanstieg lieber mieten statt kaufen. Mit der „Wohnwetterkarte“ stellen der Projektentwickler BPD und das Beratungs- und Analyseunter- nehmen Bulwiengesa anhand eines Temperaturgefällesmit 25 Farbtönen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage für jede der rund 11.000 deutschen Städte und Gemeinden dar. Ein heißer Wohnungs markt zeichnet sich durch eine hohe Nachfrage (Indikator 1) und ein zu geringes Bauvolumen im Vergleich zur Nachfrage (Indikator 2) aus. Laut BPD und Bulwiengesamüssen jedes Jahr rund 440.000 Wohnungen errichtet werden, umden Bedarf zu decken. ImVergleich zumJahr 2024 zeigt die hier dargestellteWetterkarte 2025, dass die großen Städtewieder heißer sind als ihr Umland. Das gilt nicht nur für Berlin, Hamburg undMünchen, sondern auch für kleinere GroßstädtewieMünster, Mainz, Darmstadt, Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg. Quelle:BPD,Bulwiengesa ©GeoBasis-DE /BKG 2025 Kalt GemeindefreieGebiete / GemeindenmitGebietsreformen Überhitzt 0 25 50 km
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