SACHWERTE SPEZIAL, Sonderausgabe 2026
nicht darum, den Goldpreis zu schlagen, sondern ihn abzubilden“, sagt er. Denn „Gold ist eine Art Unfallversicherung. Es stabilisiert das Portfolio und nimmt die Volatilität raus.“ In ein defensives Port- folio gehören laut Baumbach drei bis fünf Prozent Gold und in ein offensives Portfolio bis zu 15 Prozent – unabhängig vom jeweiligen Goldpreis. „Anleger soll- ten ihren Goldanteil im Portfolio je nach Risikoneigung regelmäßig rebalancieren“, rät Baumbach. Beim Fonds Hansa Werte geht es dagegen um Outperformance. 30 bis 70 Prozent des Fondsvermögens stecken in Aktien von Unternehmen, die Edelme- talle fördern, weiterverarbeiten oder mit ihnen handeln, und 30 bis 70 Prozent in Edelmetall-ETCs, darunter auch Platin- und Palladiumverbriefungen. Ein beson- deres Augenmerk liegt auf Silberverbrie- fungen wegen der Bedeutung des Edel- metalls in der Solarindustrie, bei Elektro fahrzeugen, in Datencentern und für die KI-Infrastruktur. Für die meisten Anleger sei ein reines Silberinvestment jedoch schwer auszuhalten, so Baum- bach, denn: „Der Silberpreis schwankt phasenweise brutal.“ Gold-Silber-Ratio Schallenberger von der LBBW erwartet bis Ende 2026 einen Silberpreis von 65 Dollar pro Feinunze, Mitte 2027 rechnet er mit 60 Dollar. Die Gold-Silber-Ratio lag am 24. April bei 62 (siehe Grafik auf Seite 71). Es sind also 62 Feinunzen Silber nötig, um eine Feinunze Gold zu kaufen. „Dieser Wert ist fundamental viel zu niedrig – der Zehnjah- resdurchschnitt liegt bei 81“, sagt Schallenberger. Der Roh- stoffanalyst rechnet damit, dass das Verhältnis in den nächsten zwölf Monaten wieder auf 80 bis 100 steigen wird. 2025 überstieg die weltweite Silber- nachfrage das Angebot das fünfte Jahr in Folge. Einer der wichtigsten Treiber für den Silberpreis waren die physisch unter- legten Produkte. Schallenberger zufolge hatten die Silber-ETCs 150 Millionen Feinunzen gekauft, was 15 Prozent des gesamten Angebots, also Minenproduk- tion und Recycling, von rund 1.000 Mil- lionen Feinunzen entspricht. Seit Anfang 2026 haben die Silber-ETCs 60 Millionen Feinunzen verkauft. „Viele Leute trauen dem Silber nicht – auch ich gehöre dazu“, sagt Schallenberger. Er geht davon aus, dass der Iran-Krieg den Silber- preis indirekt beeinflussen wird: „Wenn der Ölpreis steigt, wird die Weltwirtschaft weniger wachsen. Damit wird die indus- trielle Nachfrage nach Silber sinken.“ Je länger die Straße von Hormus geschlos- sen sei, desto schlechter sei das für den Silberpreis. Ersatz Fritsch betrachtet die Korrektur des Silberpreises beim aktuellen Kurs von 75,60 Dollar je Feinunze (Stand: 24. April 2026) nach dem Überschießen zu Jahres- beginn als abgeschlossen. Zuvor hatte sich der Silberpreis von knapp 30 Dollar je Feinunze im Januar 2025 auf rund 120 Dollar Ende Januar 2026 vervierfacht. Der Rohstoffanalyst erwartet bis Ende 2026 einen Silberpreis von 90 Dollar je Feinunze und bis Mitte 2027 von 95 Dollar. Allerdings gibt Fritsch zu bedenken: Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Unterneh- men das Edelmetall bei hohen Silberpreisen in industriellen Anwendungen zu ersetzen versu- chen. Das könnte die Nachfrage belasten – schließlich nutzt die Industrie rund 60 Prozent des weltweiten Silberangebots. In diesem Zusammenhang zitiert er den Branchenverband „The Silver Institute“, der für 2026 einen dreiprozentigen Rückgang der industriellen Nachfrage nach Silber prognostiziert. CHRISTINA ANASTASSIOU FP Für Gold spricht lang fristig, dass die Zentral banken unabhängiger vom Dollar werden wollen. Thomas Kulp, DZ Bank fondsprofessionell.de 2/2026 73 FOTO: © DIRK MOLL Investoren greifen zu Aufteilung der globalen Goldnachfrage Imvergangenen Jahr hielten sich die Zentralbanken beimGoldkauf zurück – anders als die Investoren. Quelle:LBBWResearch 150 % 0 Tonnen 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 Andere Zentralbanken Schmuck Investition 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 30 50 70 90 110 130 10-Jahresdurchschnitt Gold/Silber-Ratio I 2025 I I I I I 2020 I I I I I 2015 I I I I I 2010 I I I I ’06 10-Jahres-Durchschnitt Gold-Silber-Ratio 1 Jahr 3 Jahre 1 Jahr 3 Jah re Andere Schmuck Zentralbanken Investition
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