FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2026

Maklerrenten, bei denen der abgebende Vermittler weiter Teile der laufenden Pro- vision bekommt. Das hat, wenn man es zumBarwert eines Kaufpreises in Relation setzt, zu hohen Faktoren geführt – sowie dazu, dass die klassische Nachfolge durch einen gleich großen Vermittler so gut wie tot ist. Kaum einer mag sich diese Preise mehr leisten. Mikosch:Wer kauft dann? Grimm: Mittelständische Makler, weil sie aus ihrem laufenden Geschäft heraus aus- reichend Liquidität generieren – und eben große Käufer, die teilweise krasse Preise bieten. Vor allem wenn sie aus strategi- schen Gründen entscheiden, dass sie unbe- dingt Übernahmen tätigen wollen. Hier sehen wir teilweise EBIT-Faktoren von 17 oder 18. In der Regel kaufen Private- Equity-Firmen oder andere institutionelle Aufkäufer aber immer noch Bestände zum Faktor neun bis zwölf. Nachdem die größeren „Tickets“ mittlerweile vom Markt sind, fokussieren sich die Käufer auf kleinere Makler, übliche Kaufpreise bewegen sich zwischen einer halben und fünf Millionen Euro. Ein weiterer Punkt fällt mir seit einiger Zeit auf: Viele Berater nähern sich dem Rentenalter und starten Verkaufsanläufe. Dabei stellen sie fest, dass ihre Preisvorstellung unrealistisch hoch ist. Also machen viele auf unbestimmte Zeit weiter, um ihren Lebensstandard hal- ten zu können – so unser Eindruck. Mikosch: Wie passt das zur Aussage, dass sohohePreisegebotenwerden? Grimm: Die Nachfrage ist exorbitant hoch. Es gibt viel „gierige“ Käufer, die feststellen, dass die großen Tickets nicht mehr am Markt sind und sie daher kleinere kaufen müssen, um weiterhin Wachstum sugge- rieren zu können. Früher waren solche kleineren Einheiten für einen EBIT-Fak- tor zwischen vier bis sechs zu haben, jetzt werden sie mit Faktor neun bis zwölf angeboten – auch wenn das unrealistisch ist. Die großen Käufer zahlen diese Fakto- ren zwar nicht, nähern sich aber von oben einem Marktsektor, in dem früher viel niedrigere Preise aufgerufen wurden. Das zieht automatisch die Preise nach oben, auch für die kleineren Tickets. Insgesamt glauben wir, dass sich der Markt in den kommenden drei bis fünf Jahren auf dem aktuell hohen Niveau halten wird. Man merkt aber bereits bei großen Tickets, dass die M&A-Abteilungen kritischer werden. Außerdem treten einige institutionelle Käufer in die Post-Merger-Integration- 3KDVH HLQ XQG IDQJHQ DQ 6\QHUJLHHȬHNWH die sie ihren Kapitalgebern versprochen haben, tatsächlich zu realisieren – auch weil erste Investoren unruhig werden. Mikosch: SpürenSie, dieSieseit vielenJah- ren auch halbwegs große Bestände über- nehmen, dieseneueKonkurrenz? Marco Kantner (Infos AG): Nein. Private- Equity-Gesellschaften möchten Maklern nur suggerieren, dass sie hohe Kaufpreise zahlen. Wir stellen aber fest, dass dem normalen Makler wichtiger ist, dass sein Kundenbestand in gute Hände kommt und weiter betreut wird. Das machen wir. Wir bauen Bestände aus und integrieren sie in unsere bestehenden Strukturen, um sie langfristig zu halten, und nicht, um sie ein paar Jahre später mit Gewinn weiterzureichen. Daher übernehmen wir auch nur zwei oder drei Bestände im Jahr. Unser Geschäftsmodell unterscheidet sich also eklatant von dem der Private-Equity- Firmen. Wir würden auch niemals solche Preise zahlen, die Herr Grimm eben erwähnte, schon wegen der Altersstruktur der übernommenen Bestände. Im Schnitt » Oft wird ein, zwei Jahre miteinander geredet – und dann muss der Käufer kurz vor dem Notartermin die Notbremse ziehen. « Andreas Grimm, Resultate Institut Andreas Grimm arbeitete nach seinemStudiumdesWirtschaftsingenieurwesens unter anderem in Führungs- positionen für die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Credit Suisse (Winterthur) und die Postbank. 2014 grün- dete er das Resultate Institut, mit demer Finanzdienstleister bei der Nachfolgeplanung berät. fondsprofessionell.de 2/2026 289 FOTO: © CORNELIS GOLLHARDT FÜR FONDS PROFESSIONELL ROUND TABLE

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