FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

unserem Anlageuniversum heraus, eine vertiefte Prüfung lohnt sich dann nicht. Danach vergeben Portfoliomanagement und Nachhaltigkeitsresearch jeweils eine erste Priorität. Auf dieser Basis wählen wir jene Investmentkandidaten mit den besten ökonomischen Aussichten und der besten Nachhaltigkeitseinschätzung für die nächste Anlageausschusssitzung aus. In der Regel sind das etwa 20 Titel. Kölsch: AufwelcherBasisentscheidetdieser Anlageausschussdannkonkret? Hauser: Wir als Nachhaltigkeitsanalysten verfassen zu jedem geprüften Unterneh- men ein eigenes Profil von rund fünf bis sechs Seiten, indem wir die entsprechen- den Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbe- richte auswerten. Daraus entsteht ein rund 200-seitiges Dokument, das der Ausschuss vor jeder Sitzung durcharbeitet. Das Gre- mium arbeitet bewusst autonom und auf rein sozial-ökologischer Basis, ökonomi- sche Fragen spielen dort noch gar keine Rolle. Zusammengesetzt ist das Gremium aus zwei GLS-Vertretern und sechs exter- nen Experten aus Wissenschaft und Zivil- gesellschaft zu Themen wie Menschen- rechten oder Recycling. Entscheidungen werden dann im Prinzip mehrheitlich getroffen, wobei laut unserer Satzung Konsens anzustreben ist. Kölsch: Wie frei können Sie als Portfolio­ manager denn innerhalb dieses vorge­ gebenen Anlageuniversums entscheiden, HerrRätzel? Rätzel: Solange es sich um vomAusschuss als nachhaltig zertifizierte Investmentin­ strumente handelt, kann ich im Rahmen der taktischen Asset-Allokation unter Beachtung der für einen Fonds festgeleg- ten Anlagequoten vollkommen flexibel agieren. Beim Klimafonds zum Beispiel bewegt sich die Aktienquote normaler- weise bei rund 25 bis 35 Prozent. Und in einer Stressphase am Markt würde ich mich nicht scheuen, mich tatsächlich auch am unteren Rand dieser Range zu bewe- gen, um damit Risiko abzubauen. Eine feste Benchmark gibt es für unsere Fonds generell nicht, wir vergleichen uns anhand von Peergroups aus ebenfalls nachhaltig ausgerichteten globalen Aktienfonds und orientieren uns dabei vor allem an Kenn- zahlen wie der Downside Deviation, im Prinzip die negative Abweichung einer Rendite von einer erwarteten Zielrendite, sowie an einer Reihe weiterer Perfor- mance- und Risikometriken. Heuser: WieerklärenSieeinemAnleger,dass ereventuellaufRenditeverzichtet,wennein Unternehmenzwarökonomischüberzeugt, ein Investment aber an Ihren Nachhaltig­ keitskriterienscheitert? Hauser: Ehrlich gesagt, zu keinem Zeit- punkt. Kunden kommen ja gerade des- halb zu uns, weil wir besonders strenge Entscheidungen im Sinne der Nachhal- tigkeit treffen. Wir kommunizieren stets transparent, aus welchen Gründen ein Titel eben nicht mit unseren Nachhaltig- keitsstandards vereinbar ist, unabhängig von der eventuellen ökonomischen Ver­ lockung. Im Grunde gilt bei uns: Wer nicht wirklich dunkelgrün investieren will, ist bei uns an der falschen Adresse. Kölsch: WelcheAusschlusskriteriensind für beide Fonds bindend? Und wo verlaufen eventuell Grauzonen? Rätzel: Zu den Klassikernmit null Prozent Umsatztoleranz gehören die Förderung fossiler Brennstoffe, die Uranverarbei- tung sowie die Herstellung von Waffen jeglicher Art. Hinzu kommen chemisch- synthetische Pestizide, Düngemittel, die Massentierhaltung und der Bergbau, bei dem sozusagen das Betreiben einer Kies- grube schon ausreicht, um auszuscheiden. Für Themen wie das Geschäft mit Öl und Gas sowie den Verkauf von Alkohol gilt eine Toleranz von fünf Prozent, weil wir » Wie der Name schon sagt, ist die SFDR von ihrem Grundsatz her eine Offenlegungsverordnung und keine Nachhaltig- keitsklassifizierung. « Simon Hauser, GLS Investment Management 102 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Andreas Rätzel + Simon Hauser | GLS Investment Management FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT

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