FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Klein, aber fein Viele Fondsboutiquen bieten besondere Strategien, die nicht in die üblichen Schubladen passen. Einige davon sind sehr erfolgreich. FONDS professionell stellt eine kleine Auswahl vor. W ie wär’s mit einem ausgefallenen Asset-Mix, eingebauten Absiche- rungskonzepten oder einfach mal einem neuen Style? Fondsboutiquen bieten immer wieder Anlagerezepte, die aus dem üblichen Rahmen fallen. FONDS professionell stellt einige dieser Konzepte und die Investmenthäuser vor, die damit amMarkt reüssieren. Schwierige Abgrenzung Dabei lässt sich gar nicht so einfach abgrenzen, was eine Investmentboutique genau ist und was nicht. Michael Gilles- sen, Geschäftsführer beim Beratungshaus Pro Boutiquenfonds (PBF), hält jedenfalls nicht die Fondsgröße für das ausschlag- gebende Kriterium, sondern die Inhaber- struktur. „Die Eigentümer müssen selbst amRuder sein, und das Haus darf keinem Bank-, Versicherungs- oder Finanzkon- zern gehören“, sagt Gillessen. Unter diese Definition fallen natürlich auch Häuser mit vielen Milliarden Euro an verwalte- tem Vermögen wie Acatis, Flossbach von Storch oder DJE Kapital. Dagegen setzen andere Anbieter, etwa Natixis Investment Managers, zwar auf einen ausgeprägten Multi-Boutiquen-Ansatz mit eigenstän­ digen Investmentteams, gehören aber ihrerseits zu größeren Konzernen – in diesem Fall zur französischen Banken- gruppe BPCE. Kurz: Die Boutiquenwelt ist vielfältig. Und es gibt weitere Besonderheiten, die auch durch die Größe bestimmt wer- den – etwa beim Vertrieb: Gerade kleine Boutiquen haben oft keine mehrköpfige Vertriebsmannschaft und kompensieren das über den direkten Zugang zum Port- foliomanager. „Das schafft Nähe, skaliert aber schlecht“, sagt Gillessen. Mit der Stel- lung des Managers und einem starken Fokus auf den Inhaber nimmt zudem die Abhängigkeit von Einzelpersonen zu. Daran ändert es nur wenig, dass die Bafin von jedem lizenzierten Vermögensverwal- ter mindestens zwei Geschäftsleiter ver- langt – die oft mit Portfoliomanagement und Sales aus verschiedenen Bereichen stammen. Zwar kann ein Haftungsdach ein zusätzliches operatives Back-up bie- ten, doch das Kernrisiko bleibt auch hier. Gillessen glaubt aber, dass die personelle Kontinuität bei Boutiquen größer ist als bei großen Gesellschaften. „Ein Bouti­ quenfondsmanager ist fast immer selbst mit nennenswertem eigenem Geld in sei- nem Fonds investiert, eine Position, die er kaum je abgibt“, so Gillessen. Immer rele- vanter wird für viele Anbieter zudem die Nachfolgeplanung, immerhin sind rund vier von fünf Inhabern älter als 50 Jahre. Auch bei ETFs ist einiges in der Pipe- line: In den kommenden Monaten dürf- ten weitere Fondsboutiquen aktive ETFs lancieren, unterstützt von White-Label- Anbietern; inzwischen bieten praktisch alle Service-KVGen entsprechende Dienst- KleineModeboutiquen bereichern jede Fußgängerzone, auchwenn sie nicht unbedingt denMassenmarkt ansprechen. Eine ähnliche Rolle spielen unabhängige Vermögens­ verwalter imFondsgeschäft. » Ein Boutiquenfonds- manager ist fast immer selbst in seinem Fonds investiert. « Michael Gillessen, PBF Fondssteckbriefe siehe nächste Seiten 114 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Boutiquenfonds FOTO: © SHINE.GRAPHICS | STOCK.ADOBE.COM

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