FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Statt Benchmarks hinterherzujagen, fragt Edward Dearing zuerst, wie viel ihn ein Investment kosten kann. Der MFS -Fondsmanager über Kapitalerhalt, seine Skepsis gegenüber der KI-Rallye und Lehren aus seiner Zeit als Schachmeister. D as Portfolio von Edward Dearing folgt einer eigenen Logik. Im Inter- view erklärt der Manager des MFS Prudent Capital Fund, warum der Unter- schied seiner Investmentstrategie im Ver- gleich zu herkömmlichen Mischfonds weniger in der Allokation, sondern eher in der Perspektive liegt. Aber auch warum er Benchmarks und Stilboxen ablehnt, wie sein Portfolio aus Kategorie-Champions und strukturellen Gewinnern aufgebaut ist und warum Cash als eine Art Muni- tion aktuell für ihn so wichtig ist. HerrDearing,waskennzeichnetIhreAnlage strategieinwenigenWorten?Undwasunter scheidet den Prudent Capital Fund grund legendvoneinemklassischenMischfonds? Edward Dearing : Wir denken zuerst über Verluste nach, nicht über Erträge. Bei jeder Investition lautet die erste Frage nicht, wie viel wir verdienen, sondernwie viel wir ver- lieren können. Dazu zerlegen wir Risiko in seine Bestandteile: Bilanz, Gewinne, Bewertung. Und innerhalb der Gewinne noch einmal in die Aspekte Wettbewerb, Regulierung, Technologie, Zyklik und Geopolitik. Wir suchen Situationen, in denenwir neun von zehn Risiken abhaken können und möglichst nur eine Variable übrig bleibt, die wir wirklich erforschen können. Der Unterschied zum herkömm- lichen Mischfonds liegt damit weniger in der Allokation als in der Perspektive. Sie beschreiben den Fonds als langfristige Strategie zur Vermögensbildung. Was bedeutet das für Anleger, die Ihre Leistung vor alleminJahreszahlenwahrnehmen? Unsere Branche misst die Rendite, aber selten das Risiko. Der MSCI World hat seit seiner Berechnung Anfang 1969 etwa acht Prozent pro Jahr geliefert. Wenn wir mit gut 60 Prozent in risikoärmeren Aktien und einem Rentenbuch mit sehr kurzer Laufzeit darauf abzielen können, nach Kosten fünf bis sieben Prozent in US- Dollar zu erwirtschaften, ist das für das eingegangene Risiko ein gutes Ergebnis. Entscheidend ist, dass der Kunde selbst beantwortet, welche Rendite ihm genügt. Was das praktisch bedeutet, hat sich am „Liberation Day“ gezeigt: Der Markt fiel um fast 20 Prozent, unser Fonds ledig- lich um weniger als vier. Danach haben wir in Aktien von herausragenden Unter- nehmen investiert, die 20, 30 oder gar 40 Prozent verloren hatten. Auf diese Weise versuchen wir, unsere Rendite zu steigern – nicht gleichmäßig, sondern in Schüben, wenn das Risiko-Ertrags-Verhältnis sehr günstig ist. Siesagen, Investierensei einMarathonund keinSprint.KönnenSieeinBeispielnennen, bei demdieserAnsatzklar imWiderspruch zur kurzfristigenMarkterzählungstand? Samsung ist ein gutes Beispiel. Wir haben Ende 2022 erstmals in das Unternehmen investiert und im Sommer erneut zuge- kauft, als das gesamte Unternehmen zu einem Kurs gehandelt wurde, der unter dem Wert seiner Vermögenswerte lag, und das bei einer Bilanzsumme von mehr „Wir denken zuallererst über potenzielle Verluste nach“ » Wir suchen Situationen, in denen wir neun von zehn Risiken abhaken können und möglichst nur eine Variable übrig bleibt, die wir wirklich erforschen können. « Edward Dearing, MFS MARKT & STRATEGIE Edward Dearing | MFS 144 fondsprofessionell.de 3/2026
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