FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

als 100 Milliarden US-Dollar an Barmit- teln. Entscheidend ist, dass wir bei Sam- sung nur ein sehr geringes Risiko einge- gangen sind. In der Vergangenheit haben Anleger, die Samsung-Aktien auf diesem Kursniveau gekauft haben, ihr Investment oft innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Obwohl das Geschäft stark zyklisch ist, wächst die langfristige Nachfrage nach Speicherchips weiter in einer Branche, die im Grunde von nur drei großen Markt- teilnehmern bedient wird. Anfang 2026 haben Sie aber wieder ver- kauft.Warum? Weil wir das Zwei- bis Dreifache unse- res Einsatzes erzielt hatten. Und weil die Bewertung ein Niveau erreicht hatte, bei dem man in der Vergangenheit in den folgenden zwei bis drei Jahren immer Geld verloren hat. Danach lief die Aktie weiter, und einige Kunden waren nicht glücklich darüber, dass wir verkauft haben. Bemerkenswert an unserem Beruf ist: Ich liege manchmal zweimal falsch, selbst wenn ich Geld verdiene. Einmal, wenn ich zu früh kaufe, und einmal, wenn ich zu früh verkaufe. InIhremManifestheißtes,Benchmarksund StilboxendientendenAgentenundnichtden Prinzipalen.WiebauenSieeinPortfolio,ohne sichalsValueoderGrowthzudefinieren? Die Formulierung stammt nicht von mir, sondern von BarnabyWiener, der die Stra- tegie ins Leben gerufen hat. Sein Argu- ment: Wenn man mich dafür bezahlt, eine Benchmark zu schlagen, und mir kündigt, wenn ich zurückbleibe, dann denke ich nicht mehr über das Beste für meinen Kunden nach, sondern über das Beste für mich. Das ist aber keine ethische Position, denn als Fondsmanager bin ich imGrunde Treuhänder. Ich sollte stets im besten Interesse meiner Kunden handeln. Wenn man das Ziel hat, das Kapital real zu erhalten und zu vermehren, kann man oft nicht beides haben. Wenn die Märkte wie derzeit zu teuer sind, muss man im Kundeninteresse handeln, das Risiko reduzieren und den Kapitalerhalt vor Ren- dite priorisieren. Ihr Manifest warnt ausdrücklich, dass der FondsinstarkenBullenmärktenzurückblei- benwird.WiebereitenSie IhreAnlegerund sich selbst auf diese unangenehmen Jahre vor?Undgibt esdannMittelabflüsse? Natürlich gibt es die. Interessant ist der Zeitpunkt: Rückgaben sehen wir selten, weil wir schlecht abgeschnitten haben, sondern fast immer dann, wenn anderswo etwas parabolisch verläuft. 2021 war es Software, heute sind es Halbleiter. In sol- chen Situationen kann es vorkommen, dass einige Kunden ein stärkeres Engage­ ment in einem vom Markt bevorzugten Sektor wünschen und sich darüber ärgern, dass wir zögern, die Aktien zu kaufen, deren Kurs rasant steigt. Vor dem Hintergrund der aktuellen KI-Rallye hal- ten wir zwar kaum noch Positionen im Halbleiterbereich, dem derzeit heißesten Sektor am Markt, sind aber stark in die Zukunft der KI wie Infrastruktur, Modelle, Software und Anwendungen investiert. Die Unternehmen in unserem Portfolio, die vom KI-Boom profitieren – Alphabet, Amazon, Meta und diverse » Wenn man mich dafür bezahlt, eine Bench- mark zu schlagen, und mir kündigt, wenn ich zurückbleibe, dann denke ich nicht mehr über das Beste für meinen Kunden nach, sondern über das Beste für mich. « Edward Dearing, MFS fondsprofessionell.de 3/2026 145 FOTO: © NIGEL DICKINSON FÜR FONDS PROFESSIONELL

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