FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

man sie da löschen können? Und auf eine vertragliche Zusicherung, dass Daten nicht gespeichert werden würden, muss man dann vertrauen“, so Jersch. Wichtig zu wissen: Im Zweifel haftet der Berater, der die KI eingesetzt hat. Immerhin wird hierzulande an mög- lichen Lösungen gearbeitet: „Wir haben bei Sabia von Grund auf eine Technolo- gieplattform für den gesamten Mandan- tenzyklus gebaut und damit überhaupt erst die Basis geschaffen, um KI wirksam über die gesamteWertschöpfungskette der Finanzberatung einzusetzen“, sagt Alex. „So etwas gibt es im deutschen Markt bis- lang nicht.“ Seit August bietet sein Unter- nehmen diese Software an. JENS BREDENBALS FP Charles Riches | Capital Partners „Der ‚Heilige Gral‘ für Finanzplaner!“ Charles Riches, Director beimLondoner Financial-Planning-Spezialisten Capital Partners, berichtet imGespräch von einemgroßen Schritt bei der Entwicklung von KI für Finanzplaner. I n Deutschland gibt es bislang keine spezielle Software für Finanzplaner auf Basis von KI. Großbri- tannien ist da weiter, wie Charles Riches von Capital Partners berichtet. WelcheKIistbeiCapitalPart- ners imEinsatz? Charles Riches: Wir nutzen keine der am Markt erhält- lichen Systeme, da wir uns für einen individuellen Ansatz ent- schieden haben. Ausnahme ist Saturn AI. Das ist eine KI, die Gespräche mit Kunden aufzeichnet und sofort eine Zusammenfassung erstellt. Sie ist spe- ziell auf den britischen Finanzdienst- leistungssektor zugeschnitten. Sie achtet auf bestimmte Schlüsselpunkte, ob wir Risiken, Risikobereitschaft, Verlusttrag- fähigkeit und all diese Dinge angespro- chen haben. Dazu analysiert sie den Tonfall des Kunden und erkennt Aus- sagen, die auf eine besondere finanzielle Schutzbedürftigkeit hindeuten – das ist der Finanzaufsicht FCA sehr wichtig. Damit ist die Nachbearbeitung, die bis- lang ein großer zeitlicher Aufwand war, sehr schnell erledigt. Zudem kann die KI die Gespräche analysie- ren, die für Kunden offen- sichtlich aktuell wichtigen Punkte identifizieren und daraus etwa einen maßge- schneiderten Blog-Beitrag verfassen. Klingt nach einem echten Mehrwert! Ja, allerdings kommuniziert Saturn nicht mit unserem Aufgabenverwaltungssys- tem und kann nicht auf ältere Doku- mente zurückgreifen. Auch Analysen, die wir einem Kunden präsentieren, erstellt diese Software nicht. Der nächste Schritt, den wir gerade gemeinsam mit einem Technologieunternehmen umset- zen, ist daher ein KI-basiertes Opera- ting System, das neben Saturn AI auch auf andere bestehende IT-Infrastruktur zugreifen kann. Die KI kann die kom- plette Kundenakte durchsuchen, sie prüft Testamente, rechtliche Unter- lagen und Treuhanddokumente. Das funktioniert auch, wenn die Daten und Dokumente wie imMoment über meh- rere Systeme verteilt sind. Die KI erstellt auch eine Cashflow-Analyse, ist direkt mit der Investmentplattform verknüpft und übernimmt die Performanceana- lyse sowie das Rebalancing. Auf einem Dashboard werden dann aktuelleWerte, die Performance, Zu- und Abflüsse sowie Steuerberechnungen angezeigt – in Echtzeit. Meines Wissens nach gibt es so etwas auf dem britischen Markt bisher nicht. Beeindruckend. Aber wann starten Sie damit? Vonwie vielenMonaten Anlaufzeit redenwir? Ich habe bereits Live-Anwendungen gesehen! In den kommenden Wochen, nicht Monaten, werden wir das ausrol- len können. Wir gehen davon aus, dass wir, bedingt durch die Laufzeiten der Nutzungsvereinbarungen, unser Back- office-System bis Mitte nächsten Jahres ablösen können. Auch einige andere ältere Servicetools, etwa zur Erstellung von Cashflow-Analysen, werden dann entfallen, da die KI deren Aufgaben übernimmt. Das ist so etwas wie der „Heilige Gral“ für Finanzplaner! VielenDank fürdasGespräch. JENS BREDENBALS FP Charles Riches: „Die Nachbearbeitung ist schnell erledigt.“ Online weiterlesen: QR-Code scannen oder fponline.de/KI326 350 fondsprofessionell.de 3/2026 FINANZPLANUNG SPEZIAL Künstliche Intelligenz € FOTO: © CAPITAL PARTNERS

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