FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Unter der Lupe Wie investieren Privatanleger ihr Geld? Eine neue Analyse zeigt, dass Sparer verstärkt zu ETFs greifen, klassische Fonds verlieren – und warum eine hohe Aktienquote angemessen sein kann. A ls am 31. August 1976 der erste Indexfonds auf den Markt kam, belächelte die Finanzwelt die Idee noch. Dieses Bild hat sich inzwischen komplett gedreht. Heute liegt in den USA mehr Geld in passiven als in aktiven Fonds. In Europa ist dieser Wendepunkt zwar noch nicht in Sicht, doch auch hier verzeichnen Indexinvestments in Form börsengehan- delter Fonds (ETFs) regen Zulauf. Entsprechend liegen ETFs zunehmend in den Depots deutscher Privatanleger, während klassische Publikumsfonds auf dem Rückzug sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Finanzwissen- schaftler Oscar Stolper von der Universität Marburg und Dominik Scheld von der Universität Frankfurt. Die Untersuchung „Portfolio-Check 2026“ im Auftrag des Indexfonds-Pioniers Vanguard stützt sich auf Daten von mehr als 160.000 Privat anlegerportfolios. Demnach enthielten 80 Prozent der betrachteten Portfolios mindestens einen ETF. Mit steigendem Anlagevolumen nimmt die ETF-Nutzung zu. Bei einem Gesamtanlagevolumen zwischen 20.000 und 250.000 Euro findet sich bei mehr als 90 Prozent der Sparer mindestens ein ETF (siehe Grafik „Hohe Quote“). Auch imZeitverlauf von Juni 2023 bis Juni 2025 kletterte der ETF-Anteil nach oben. Die von Stolper und Scheld geleitete Auswertung zählt zu den wenigen Ana- lysen, die tiefe Einblicke in das Invest- mentverhalten von Retailkunden liefern. „Daten zu Portfolios von Privatanlegern sind für die Forschung schwierig zu erhalten“, erläutert Axel Haus, Kapital- marktexperte und von Vanguard mit der Erhebung betraut. „Wir haben uns daher entschieden, auf Portfoliotracker-Apps zurückzugreifen. Diese ermöglichen den Anwendern eine Übersicht über alle ihre Depots.“ Gesamtes Bild Konkret fußen die Daten auf den Nut- zern der drei Anbieter Extra-ETF, Getquin und Parqet. Damit erhalten die Forscher nicht nur Einsicht in einzelne Depots, sondern auch in die gesamten liquiden Direktinvestments. Die wenigen ande- ren Studien zu Privatanlegerdepots in Deutschland stützen sich meist nur auf einzelne Quellen und erfassen somit nicht das gesamte Bild. Das heißt jedoch nicht zwingend, dass Sparer mit lediglich einem Depot in die- ser Auswertung unberücksichtigt bleiben. „Wir vermuten, dass einige Anleger zwar nur über ein Depot verfügen, aber den- noch Portfoliotracker-Apps nutzen, da die Übersicht besser gestaltet ist“, erläutert Haus. Nicht erfasst werden naturgemäß Produkte wie Fondspolicen von Versiche- rungen oder geschlossene Fonds. Auch Sparpläne werden nicht gesondert ausge- wiesen. Vieles deutet aber darauf hin, dass Blick in einenMikrokosmos: Eine neue Studie untersucht bis in die Tiefe die Aufstellung von Privat anlegerportfolios. Sie stützt sich auf Apps, diemehrereWertpapierdepots verknüpfen. » Daten zu Portfolios von Privatanlegern sind für die Forschung schwierig zu erhalten. « Axel Haus, Vanguard 376 fondsprofessionell.de 3/2026 VERTRIEB & PRAXIS Depotanalyse FOTO: © JACOB LUND | STOCK.ADOBE.COM
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