FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
phie der Häuser wie auch die handelnden Akteure müssen dafür miteinander har- monieren, und Integrationsbereitschaft muss vorhanden sein. Insbesondere ana- lysiert HRK Lunis neben den typischen Finanzkennzahlen die Kundenbasis, das Wachstumspotenzial und eine mögliche Kompetenzerweiterung. Was das Volu- men betrifft, liegt der Fokus bei 500 Mil- lionen Euro Volumen aufwärts. Ausnah- men bestätigen die Regel. Ein Risiko eines Zusammenschlusses ist, dass Mitarbeiter und Kunden die Flucht ergreifen.WieverhindernSiedas? Das ist ein Schlüsselrisiko, und es gibt viele prominente Beispiele, wie man es nicht machen sollte. In einem sehr bekannten Fall hatte eine europäische Großbank ein namhaftes US-Institut für mehr als zehn Milliarden Dollar gekauft. Am Ende stellte sich heraus, dass die Bank praktisch nichts mehr wert war. Denn die Mitarbeiter und Kunden waren davonge- laufen. Mit solchen Beispielen vor Augen führt man heute vorab sehr viele Hinter- grundgespräche. Eine erfolgreiche Integra- tion beginnt vor dem Zusammenschluss. Man muss sich sehr genau überlegen, wie man Kunden und Mitarbeiter mitnimmt. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl, Empathie und transparente Kommunika tion. Das lässt sich nicht in eine wissen- schaftliche Formel packen. NachdenbisherigenÜbernahmenhat HRK LunismitEyb&Wallwitznichtnureinenklas- sischenVermögensverwalter,sondernauch einen namhaften Fondsanbieter übernom- men.Macht dasBeispiel Schule? Die Position von HRK Lunis ist klar. Das Haus ist ein Wealth Manager und bleibt es auch. Hinter dieser Überlegung stehen neben der grundsätzlichen Ausrichtung auch die Bewertungen. Die Multiplikato ren, die den Wert eines Unternehmens bestimmen, sind imWealth Management höher als im Asset Management. Ein guter Wealth Manager wird mit dem Fak- tor zehn bis 14 auf den Gewinn bewer- tet, ein Asset Manager mit sechs bis acht. Aus Sicht der Eigner liegt der strategische Schwerpunkt daher eindeutig auf der Ver- mögensverwaltung. Das bedeutet aber nicht, dass man das Asset Management oder verwandte Bereiche wie Family Offices links liegen lässt. Es kann auch für einen Wealth Manager sinnvoll sein, sich einen Asset Manager einzuverleiben, um die Wertschöpfung zu verbessern. Im Fall von Eyb &Wallwitz kommen Kompeten- zen hinzu, über die HRK Lunis bislang nicht verfügte. Zudem öffnet der Deal Türen zu neuen Kunden, zu denen es bis- lang keinen so guten Zugang gab, etwa zu einigen institutionellen Investoren. FindenSiegenugverkaufswilligeHäuser? Der Wille wird zunehmen. Der Druck auf die kleineren Akteure wächst. Die regula- torischen Anforderungen steigen. Diese zu erfüllen, kostet schlichtweg viel Geld. Das befeuert die Konsolidierung. Zudem steht bei einigen Gesellschaften eine Nachfolge- regelung an. Deshalb denke ich, dass wir – und auch unsere Mitbewerber – genügend Kandidaten finden werden. Dabei stehen Qualität und Sinnhaftigkeit im Fokus. Wir wollen wachsen, aber sehr selektiv. Warum rollt vor diesem Hintergrund nicht schon längst eineÜbernahmewelle? Weil die Entscheidung insbesondere bei inhabergeführten Vermögensverwaltern weit über den Kaufpreis hinausgeht. Sie betrifft Lebenswerk, Mitarbeiter und lang- jährige Kundenbeziehungen. Dazu durch- schreiten Finanzmärkte unweigerlich auch mal Täler. Angesichts der Krisen, die seit Jahren schwelen, ist das keine Überra- schung. Ein Rücksetzer in bestimmten Segmenten der Börsen streut Sand ins Getriebe und senkt die Erträge der Ver- mögensverwalter. Das drückt die Bewer- » Ein guter Wealth Manager wird mit dem Faktor zehn bis 14 auf den Gewinn bewertet, ein Asset Manager mit sechs bis acht. « Stefan Keitel, HRK Lunis VERTRIEB & PRAXIS Stefan Keitel | HRK Lunis 384 fondsprofessionell.de 3/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
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