FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

nenfalls genutzte Siegel und ESG-Label“, mahnt Schulz. Und auch Finanzberater und Versicherungsvermittler sind von der EmpCo-Richtlinie und den Vorgaben des geänderten UWG durchaus betroffen. Denn diese gelten für Beratungsdienstleis- tungen ebenso wie für Produkte. „Vermittler sollten sich nicht darauf ver- lassen, dass die Nachhaltigkeitskommuni- kation von Produktanbietern rechtssicher ist“, mahnt Norman Wirth, geschäfts- führender Vorstand des AfW Bundesver- bands Finanzdienstleistung. Wer Angaben und Formulierungen Dritter verwende, müsse prüfen, was die Aussage konkret verspricht und ob sie durch belastbare Belege gedeckt ist. Konkrete Maßnahmen treffen „Entscheidend ist, welche Aussagen Berater und Vermittler selbst überneh- men, verkürzen oder neu formulieren“, sagt Michael Franke, Vorstandsvorsitzen- der des Arbeitskreises Beratungsprozesse. Das gilt für eigene Webseiten und Social- Media-Beiträge ebenso wie für Flyer, Newsletter, Präsentationen, Beratungsma- terial und -dokumentation. „Finanz- und Versicherungsprofis finden allerdings bis- lang kaum konkrete Hilfen für die eigene Kundenkommunikation“, so Franke. Daher empfiehlt ihnen der Arbeitskreis Beratungsprozesse, konkrete Maßnahmen zu treffen, damit ihre Umwelt- und Nach- haltigkeitsaussagen zu prüfen und im Zweifelsfall neu zu organisieren (siehe Kasten unten auf der Seite). Finanzberater und Versicherungsver- mittler sollten die Empfehlungen auf jeden Fall ernst nehmen. Denn wer gegen die neuen Vorschriften des UWG verstößt, riskiert Abmahnungen durch Mitbewer- ber, eingetragene Wirtschaftsverbände oder durch die Industrie- und Handels- kammern. Diese können unter anderem mit einer strafbewehrten Unterlassungs- erklärung oder einer Vertragsstrafe ver- bunden sein. Und es drohen Bußgelder in empfindlicher Höhe: Sie können bis zu 50.000 Euro betragen. FNG-Siegel ist parat Da ist es gut, dass sich die Finanz- und Versicherungsprofis zumindest auf eines verlassen können: auf das Siegel des Fachverbands Forum Nachhaltige Geld- anlagen, kurz FNG-Siegel. „Wir haben über den Sommer mit Hochdruck daran gearbeitet, die über 100 Einzelanforderun- gen der im Gesetzestext explizit für Zerti- fizierungsstellen genannten Norm ISO/ IEC 17065:2013 zu erfüllen“, erklärt Ver- bandsvorsitzender Marian Klemm. Sobald das geänderte UWG gilt, soll das FNG-Sie- gel den Vorgaben der EmpCo-Richtlinie entsprechen. Und dann sagt es viel mehr darüber aus, wie nachhaltig ein Fonds investiert, als die üblichen Etiketten, Sticker und Logos über die ESG-Qualität der Produkte im Supermarkt verraten, auf denen sie kleben. ANDREA MARTENS FP Nicht blind vertrauen: Diese Schritte sollten Finanzberater vornehmen Finanzberater sollten sich nicht da­ rauf verlassen, dass die Nachhal­ tigkeitsinformationen von Produkt­ anbietern immer richtig, vollständig undrechtssichersind.UmRisikenzu vermeiden, empfiehlt der Arbeits­ kreis Beratungsprozesse daher, die folgendenMaßnahmen zu treffen. Aussagen erfassen: Finanz- und Versiche­ rungsprofis solltenalleUmwelt-undNachhaltig­ keitsaussagen in eigenen Medien, Werbemitteln und Beratungsunterlagen sammeln. Texte überarbeiten: Sofern pauschale Begriffe, Siegel, Klima­ aussagen, Versprechen und unklare Produktbezüge übernommen wer­ den, sollte man sie kennzeichnen. Noch besser: Unklare Aussagen präzisieren oder streichen. Fremde Texte nie ungeprüft übernehmen! Belege prüfen: Für jede Aussage sollte geklärtwerden,woher der Belegstammt, worauf er sich bezieht, wie aktuell er ist und was er tatsächlich nachweist. Schulen, prüfen und dokumentieren: BeratersolltenihreMitarbeiterinSachenEmpCo- Richtlinie schulen und festlegen, wer Texte prüft und freigibt. Sie sollten Prüftermine planen und veraltete Textfassungen sperren. Siegel und Ratings checken: Es sollte immergeprüftwerden,wereinSiegeloderRating vergibt, nach welchen Kriterien es erstellt wird und ob es auch unter dem Regime der EmpCo- Richtlinieweiter genutztwerdendarf. Bei Unklar­ heiten sollte auf ein Siegel oder Rating besser verzichtet werden. Quelle:ArbeitskreisBeratungsprozesse CO 2 § DORA DigitalOperational Resilie ceAct Zertifikat ELTIF European Long-Term Investment Fund. 2.0 CO 2 § € § 426 fondsprofessionell.de 3/2026 STEUER & RECHT Greenwashing FOTO: © CHRISTIAN RITTER DUS | ARBEITSKREIS BERATUNGSPROZESSE » Finanz- und Versicherungsprofis finden kaum konkrete Hilfen für die eigene Kundenkommunikation. « Michael Franke, Arbeitskreis Beratungsprozesse

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