FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

P assive Indexfonds und algorithmische Strategien haben Qualitätsaktien nach Ansicht von Christopher Rossbach in eine Art künstliche Talsohle getrieben, während eine Handvoll Technologiewerte inzwischen spekulative Bewertungen erreicht hat. Im gemeinsam mit Dewi John, Head of Research EMEA bei LSEG Lipper, geführten Analysegespräch erläu­ tert der Fondsmanager von J. Stern & Co., wie sein Team unter anderem durch Gespräche mit Kunden, Lieferanten und Wettbewerbern echte Burggräben bei Unternehmen verifiziert und weshalb er Banken, Versorger und andere kapital­ intensive Branchen konsequent meidet. HansHeuser: IneinemWhitepaperhabenSie von einer historischen Verzerrung gespro- chen, weil Qualitätsaktien gegenüber dem breiten Markt deutlich zurückgefallen sind. WarumsindSiesicher, dasseseineVerzer- rungistundkeinstrukturellerRegimewech- sel zugunstenzyklischerSubstanzwerte? Christoper Rossbach: Diese Dislokation bei Qualitätsaktien hält jetzt seit etwa 18 bis 24 Monaten an, das ist eine lange Zeit. Aber sie ist erklärbar: Ein sehr großer Teil des Marktes ist heute passiv und indexge­ trieben, und Indizes sind weder gegenüber der Nachhaltigkeit dessen, was Unterneh­ men tun, noch gegenüber ihren Bewer­ tungen sensibel. Hinzu kommt der große Anteil quantitativer und algorithmischer Strategien. Sie folgen Trends, beschleuni­ gen sie und kehren dann zumMittelwert zurück, wenn ein Trend sich erschöpft. Das sind zwei Grundprinzipien quantita­ tiven Investierens, und sie haben massive Auswirkungen auf die Märkte. Solche Ver­ werfungen können lange dauern. Aber langfristige Renditen werden von dem getrieben, was Unternehmen tun, von Umsätzen, Gewinnen und Cashflows. Dewi John: Sie vergleichen die aktuellen Bewertungsniveausmit der Dotcom-Blase. Viele Anleger würden entgegnen, dass geradeQuality-Titel historisch teuer sind. Christopher Rossbach, Fondsmanager bei J. Stern & Co., erklärt, warum Qualitätsaktien trotz Underperformance die bessere Wahl bleiben. Und wo tatsächlich die Gefahr einer Blasenbildung lauert. „Volatilität ist für uns kein Risiko , sondern eine Gelegenheit“ 78 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Fondsmanager im Kreuzverhör | Christopher Rossbach | J. Stern & Co. FOTO: © NIGEL DICKINSON FÜR FONDS PROFESSIONELL KREUZ VERHÖR Christopher Rossbach (links) imAnalysege- sprächmit Dewi John (LSEG Lipper, Mitte) und Hans Heuser (FONDS professionell)

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