FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
zu bestätigen. Wir machen dabei alles selbst: die qualitative Analyse, die ESG- Analyse und die Modelle. Letztere sind bottom-up-getrieben und gehen bis auf Preis- und Volumentreiber hinunter. So können wir operative Hebel und Verwer- fungen tatsächlich modellieren. John: IhrFondshateinenhohenActiveShare und eine bewusst niedrige Umschlagshäu- figkeit. Wie lange geben Sie einem strau- chelndenQualitätsunternehmenZeitfürden Turnaround, bevorSiedieReißleineziehen? Rossbach: Unser Anlagehorizont sind fünf bis zehn Jahre, und der Portfolioumschlag liegt bei zehn bis 20 Prozent, ist also damit imEinklang. Das unterscheidet uns von vielen ähnlichen Ansätzen. Was uns interessiert, ist Disruption. Wir arbeiten mit dem Konzept einer geschätzten Zeit bis zur Disruption. Bei Anheuser-Busch Inbev kamen wir zum Schluss, dass Bier durch veränderte Konsumgewohnheiten disruptiert wird, hinzu kamen Verschul- dung und Zweifel an der Dividende. Von der ersten Sorge bis zur Entscheidung dauerte es sechs bis zwölf Monate. Als wir aber überzeugt waren, dass die Divi- dende gekürzt wird, haben wir an einem Tag verkauft. Bei Zoetis war es ein Prozess von etwa sechs Monaten. Wir handeln, wenn etwas strukturell ist, nicht wenn es zyklisch ist. John: UndwennKurseeinbrechen,ohnedass dieThesebricht? Rossbach: Dann ist Volatilität für langfris- tige Anleger kein Risiko, sondern eine Gelegenheit. Als die digitale Werbung nach der Pandemie stagnierte, verloren Titel wie Alphabet und Meta 35 bis 40 Prozent. Hätten wir entschieden, das sei der relevante Zeithorizont, hätten wir verkauft. Wir haben stattdessen analysiert und zugekauft. Der Zins- und Inflations- schock nach der Pandemie war die Gele- genheit, Nvidia zu kaufen, seither unsere größte und erfolgreichste Position. Und als die Deepseek-Nachricht im Januar 2025 viral ging, fiel Nvidia um rund 35 Prozent. Wir haben analysiert und gesagt: Da stimmt etwas nicht, denn es spricht eher für mehr Rechenkapazität. Wir wol- len immer in der Lage sein, handeln zu können, statt reagieren zu müssen. John: Sieschließenressourcenbasierte,kapi- talintensive und stark regulierte Industrien wie Versorger kategorisch aus. Berauben Siesichdamit inPhasenhartnäckiger Infla- tionnichtwichtigerRenditetreiber? Rossbach: Wir haben keine Beteiligungen an Unternehmen in diesen Bereichen, nicht weil wir sie ausschließen, sondern weil sie unsere Qualitätskriterien nicht erfüllen. Bei bilanzgetriebenen Finanz- werten sorgen wir uns um die Disruption großer Banken und darum, dass Regulie- rer zum Schutz des Systems immer mehr Kapital sehen wollen. Bei kapital- und ressourcenintensiven Geschäften sehen wir gestrandetes Kapital, Disruption und erhebliche Umweltwirkung. Ob sich das nun über die Geschäfte selbst oder über Regulierung zeigt – es wird quanti tativ wirken. Und regulierte Versorger sind Regierungen ausgesetzt, die Regeln ändern, wie in Deutschland bei der Kern- energie, und die Steuern erhöhen müssen. Heuser: ESG ist Teil Ihres fundamentalen Researchs. Wie gehen Sie mit dem Regu- lierungsdruck um, ohne IhreQualitätskrite- rien und Performanceziele zu beschädigen – gerade jetzt, da das Thema aus derMode gekommen ist? Rossbach: Wir sind hier völlig standhaft geblieben, weil Nachhaltigkeit für uns ein Kernattribut von Qualität ist. Nur ein Unternehmen, das nachhaltig wirtschaf- tet, kann nachhaltige Wettbewerbsvor- teile und nachhaltige Renditen erzielen. Aber es kommt bottom-up, und es geht nicht nur um Risiken, sondern auch um » Bei kapital- und ressourcenintensiven Geschäften sehen wir gestrandetes Kapital, Disruption und erheb- liche Umweltwirkung. « Christopher Rossbach, J. Stern & Co. 80 fondsprofessionell.de 3/2026 MARKT & STRATEGIE Fondsmanager im Kreuzverhör | Christopher Rossbach | J. Stern & Co. FOTO: © NIGEL DICKINSON FÜR FONDS PROFESSIONELL KREUZ VERHÖR
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