FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
Bei der Rente sind es ebenfalls Schritte in die richtige Richtung. Die Reformen reichen aber nicht aus, um das System solide aufzustellen. Man hat leider den Fehler gemacht, die Generation der Baby boomer, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, kaum zu belasten. Das hat den Preis, dass die Belastung der jün geren Generation sehr hoch ist. Man hätte beispielsweise das Rentenalter schneller anheben können und meines Erachtens auch müssen. Stichwort Kapitalrente: In dem immer wie- der als Vorbild genannten Schweden droh- tenauchschoneinmalRentenkürzungen,als dieAktienmärkte nachgaben. Dort griffder Staatmit Steuererleichterungen ein. Ist das auch ein potenzielles Vorbild für Deutsch- land, dass der Staat das Risiko der Aktien- märkte trägt? Nein, wenn die Aktien fallen, dann kann der Staat die Verluste nicht aus der Welt schaffen, sondern nur umverteilen. Aber wer soll die Verluste dann tragen? Die ohnehin schon stark belastete junge Generation? Glücklicherweise ist es so, dass Aktien auf längere Sicht nicht Ver luste, sondern Gewinne produzieren. Die Ersparnisse derjenigen, die sich dem Rentenalter nähern, müssen in weniger stark schwankende Anlagen umstruktu riert werden. Dass es bei den anderen zwischenzeitlich auch mal Verluste geben kann, gehört dazu. Langfristig sind die Renditen auf Aktien aber höher als die auf Anleihen. DieEinführungdesprivatenAltersvorsorge- depotsisteinweitereswichtigesElement.Ist die Wahlmöglichkeit zwischen staatlichem Angebot undprivatenAnbietern richtig? Man kann kritisch fragen, warum der Staat hier als Anbieter auftreten sollte, wenn es genug private Anbieter gibt. Aber in diesem Fall wirdWettbewerb zwischen privaten und staatlichen Anbietern nicht viel Schaden anrichten. Ich hätte mir aller dings gewünscht, dass die Verwaltungs kosten auf 0,4 Prozent begrenzt werden. Viele der heute auf dem freien Markt ver fügbaren Fonds liegen darunter. Die geplante Einkommensteuerreform ab 2027 zielt vor allemauf die Entlastung klei- ner und mittlerer Einkommen sowie Fami- lienab.KernpunktesindhöhereFreibeträge, die verschärfte Reichensteuer und Ände- rungenbei denAbzügen.WiebeurteilenSie diesePläne? Die Steuerreform ist sicherlich eins der schwächsten Elemente im Reformpro gramm. Sie ist mit einemEntlastungsvolu men von rund zehn Milliarden Euro jähr lich viel zu klein, um ernsthafte Wachs tumsimpulse zu setzen. Es ist letztlich keine Steuerentlastung, sondern nur ein Ausgleich für die kalte Progression, der ohnehin gewährt werden sollte. Die Erhö hung des Spitzensteuersatzes belastet mit telständische Unternehmen und gibt das Signal, nicht in Deutschland zu investie ren. Diesen Teil der Reform halte ich für misslungen. Die Einkommensteuerreform ist keine Steuerreform, sondern eine über wiegend verfassungsrechtlich veranlasste Tarifanpassung mit einer verteilungspoli tisch motivierten Gegenfinanzierung. Als solche ist sie weder das Wachstumspro» Die Einkommensteuer- reform ist weder das Wachstumsprogramm, als das sie präsentiert wird, noch die Steuererhöhung für Spitzenverdiener, für die sie kritisiert wird. « Clemens Fuest, Ifo Institut fondsprofessionell.de 3/2026 123 FOTO: © MATTHIAS KATZMAIR FÜR FONDS PROFESSIONELL
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