FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

erhöhen zwar ihre Verteidi- gungsetats auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, plus 1,5 Prozent für ver- teidigungsrelevante Ausga- ben. Doch das reicht nicht, um das Wachstum ent- scheidender Innovationen zu finanzieren. Da braucht es privates Geld. Die Regierungen wissen also, was zu tun ist. In der Praxis verhindern aber oft nationale Befindlichkeiten wichtige Projekte. Unlängst platztedieEntwicklungeines Kampfjets im Rahmen des FCAS, des Future Combat AirSystems,weilFrankreich und Deutschland sich nicht einigenkonnten. Diese Beziehung ist sicher ein Vor und Zurück. Aber das FCAS ist ein „System of Systems“, der Kampfjet ist nur ein Teil davon. Sehr wichtig ist die „Combat Cloud“, eine Informations- und Kom- munikationsinfrastruktur. Wir müssen Daten schneller austauschen – zwischen Marine, Luftfahrt und Land ebenso wie zwischen den europäischen Staaten, damit wir als Team auftreten können. Die Inter- operabilität ist eigentlich das große Ding. Daten sind der Treibstoff der Zukunft. Die nordischen Staaten etwa tauschen Daten auf einem sehr hohen Vertrauens- niveau aus. Das macht sie gemeinsam stärker. Kooperation bedeutet nicht nur, gemeinsam etwas Physisches zu bauen, sondern als Team in Echtzeit handeln zu können. Unsere Gegner dürfen in der Entscheidungsfindung nicht schneller sein. Und diese europäische Kooperation existiert weiter auf vielen Ebenen. Thales, Airbus und Leonardo wollen beim Pro- jekt „Bromo“ gemeinsam die europäi- sche Weltraumsparte voranbringen. Und im Rahmen der ELSA-Initiative wollen Deutschland, Frankreich und andere Langstreckenraketen entwickeln. Und es gibt weitere Beispiele. Siesagen, Datensindder Sprit der Zukunft. Wer gewinnt den nächsten Krieg: ein Soft- wareunternehmen oder ein klassischer Rüstungskonzern? Wir sehen eine Beschleunigung des OODA-Loops, des militärischen Entschei- dungsmusters aus Beobachtung, Orientie- rung, Entscheidung und Handlung (Obser- vation, Orientation, Decision, Action; Anm.) . Wer schneller ist, kann die Bedingungen auf dem Schlachtfeld vorgeben. Automa- tisierung und autonome Systeme werden immer wichtiger. Zugleich kommt es auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine an, denn Menschen werden im System weiterhin benötigt. Entscheidend ist, die Kal- kulation der Feinde kom- plizierter zu machen, etwa indem Partner ihre Kampf- kraft bündeln oder alle Ebenen vom Land bis ins Weltall besser koordinieren. Auch klassische Machtin­ strumente wie Informa- tion, Diplomatie oder die Wirtschaft sind enorme Hebel. Wer das alles besser orchestriert, wird stärker sein als sein Gegner. Das kann Kriege verhindern, weil die Abschreckungswir- kung hoch ist. ÖsterreichistnachdemNato- BeitrittFinnlandsundSchwe- dens neben Irland das ein- zige EU-Land, das nicht Mitglied ist. Wie hochschätzenSiedieWahrscheinlichkeitein, dassÖsterreichangesichtsderveränderten geopolitischenLageseineNeutralität inden nächstenJahrenaufgibt? Ich denke, Österreich teilt oder verteidigt dieselben Werte wie die Nato-Staaten, nämlich eine sichere Zukunft. Wenn Österreich der Nato beitreten wollte, wäre das nachvollziehbar. Die Welt ist heute nicht mehr dieselbe wie gestern. Cyber­ attacken oder Drohnen schaffen eine ganz andere Verwundbarkeit. Ein Nato-Beitritt wäre auch gut für Österreich. VielenDank für dasGespräch. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP KURZ-V I TA : Philippe Lavigne General Philippe Lavignewar als Nato Supreme Allied Commander Transformation von 2021 bis 2024 ver- antwortlich für die Zukunftsfähigkeit des Verteidigungs- bündnisses, bevor er in den Ruhestand trat. Davor war Lavigne, ein ausgebildeter Militärpilot, Generalstabschef der französischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte. Er hatte in der französischen Armee zahlreiche Führungs- positionen inne undwar regelmäßig an internationalen Missionen beteiligt. » Es kommt auf das Zusammenspiel von Mensch und Maschine an. « Philippe Lavigne, Militärexperte fondsprofessionell.de 3/2026 157 FOTO: © AMUNDI

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