FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Wettlauf gegen die Zeit Der milliardenschwere Sachwerteanbieter Deutsche Finance ist ins Schlingern geraten. Dass reihenweise Vertriebspartner verklagt werden, scheint nur eine Frage der Zeit. Was jetzt zu tun ist. D er Sachwerte-Fondsanbieter Deut- sche Finance (DF) legt seit 2006 geschlossene Immobilien- und Infrastrukturfonds für Privatan- leger auf und entwickelt Invest- mentstrategien für institutio- nelle Anleger. Über bisher 24 Emissionen für Privatanleger kamen rund 1,5 Milliarden Euro von rund 50.000 Privat- anlegern zusammen. In den Jahren 2022 und 2023 belegte die DF gemäß der Scope-Jahresstudie zu geschlosse- nen Fonds den ersten Platz unter den platzierungsstärksten Anbietern, 2022 mit 328 Millionen, 2023 mit 110 Mil- lionen Euro. 2024 platzierte die Deut- sche Finance noch 64 Millionen Euro Eigenkapital von Privatanlegern und kam damit auf den zweiten Platz. 2025 tauchte die Deutsche Finance in der Sta- tistik nicht mehr auf. Berichte veraltet Mit dem Rückgang des Platzierungs- erfolgs nahm auch die Bereitschaft ab, rechtzeitig über den Verlauf der Bestands- fonds zu berichten. Lediglich für vier Fonds lag bei Redaktionsschluss ein Jahresbericht für 2024 vor. Laut KAGB muss der Jahresbericht eines geschlosse- nen AIF-Publikumsfonds spätestens sechs Monate nach Ablauf des Geschäftsjahres erstellt und binnen weiterer drei Monate im Unternehmensregister veröffentlicht worden sein. Für 17 Fonds ist bei Redak- tionsschluss der jüngste vorliegende Jah- resbericht jener für das Jahr 2023 (siehe Tabelle nächste Seite). 250-Millionen-Euro-Lücke Bei einer Analyse der Geschäfts- berichte der DF ist die Rechts- anwaltskanzlei Tilp auf Unge- reimtheiten gestoßen: „Wie ist es möglich, dass die Jahresab- schlüsse der einzelnen Fonds wegen fehlender Kennzahlen angeblich nicht erstellt wer- den können, die Kapitalver- waltungsgesellschaft der Fonds jedoch über einen testierten Jah- resabschluss 2024 verfügt?“, fragt Rechtsanwalt Christian Palme. Darin weist die DF Deutsche Finance Investment, das ist die KVG des Konzerns, die alle Publikumsfonds der DF verwaltet, mit Ende des Jahres 2024 ein verwaltetes Nettofondsver- mögen von 838,2 Millionen Euro und fürs Jahr 2023 von 1,02 Milliarden aus. Außerdem gibt sie für 2024 an, 72 Millio- nen Euro von Privatanlegern akquiriert zu haben. „Nach einfacher Rechnung müss- ten demnach 1,09 Milliarden Euro in den Büchern der KVG für das Geschäftsjahr 2024 stehen“, rechnet Palme vor. Es ergebe sich aber eine Differenz von mehr als 250 Millionen Euro beziehungsweise 23 Pro- zent des Nettofondsvermögens, deren Fehlen nicht erklärt werde. » Das Darlegen einer lückenlosen Dokumentation ist die beste Verteidigung gegen etwaige Anlegerklagen. « Christian Conreder, Rödl Die Zeichen sprechen eine deutliche Sprache: Die Bafin schickt einen Sonderbeauftragten, eine erste Insolvenz dürfte für herbe Verluste sorgen – und der Anbieter kommuniziert kaum. 208 fondsprofessionell.de 3/2026 SACHWERTE Deutsche Finance FOTO: © BY-STUDIO | STOCK.ADOBE.COM

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