FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Altersvorsorgedepots“, sagt Robin Binder, Geschäftsführer der Berliner Investment- plattform Nao. Auswahl Im Vergleich zum Standarddepot ist das Spektrum infrage kommender Invest- mentvehikel und Assetklassen beim freien AVD viel größer (siehe Grafik nächste Seite). „Bei einigen Anbietern werden wir auch im Standarddepot, wofür ja nur zwei ETFs ausgewählt werden, ver- treten sein“, sagt Holger Schröm, Leiter des IFA-Geschäfts bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Viele Anbie- ter dürften sich bei der Standardvariante jedoch auf hauseigene Produkte beschrän- ken. „Beim freien AVD, das komplexere Herausforderungen mit sich bringt, wird sehr wahrscheinlich eher mal auf externe Produktanbieter zurückgegriffen, da wäre dann zum Beispiel auch J.P. Morgan AM häufiger auswählbar“, so Schröm. Kosten Die beiden Fonds im Standarddepot dürfen Kosten von einem Prozent nicht überschreiten. „Maßgebend sind die im individuellen Produktinformationsblatt angegebenen Effektivkosten; berechnet wird nach der Methodik des Gesamt- kostenindikators gemäß Anhang VI der Delegierten Verordnung (EU) 2017/653“, erläutert Wildhirt. Für das freie AVD und Garantieprodukte gilt der Kosten- deckel nicht. „Kein Deckel heißt aber nicht kostenfreie Gestaltung: Die Pflicht zur Ermittlung der Effektivkosten trifft nach Paragraf 2a Absatz 1 AltZertG auch Anbieter freier Altersvorsorgedepots, und die Richtigkeit der Berechnung ist min- destens alle drei Jahre von einem Wirt- schaftsprüfer, vereidigten Buchprüfer oder Aktuar DAV bestätigen zu lassen.“ Im längst tobenden Kampf um Kun- den für das Standarddepot unterbieten sich künftige Anbieter bereits mit stets noch niedrigeren Kosten von weit unter einem Prozent. Ähnliches darf man wohl für das freie AVD erwarten, sodass es eine Art wettbewerbsinduzierten Kostendeckel auch dafür geben wird. Risiken Für das freie AVD sind Produkte mit einer SRI-Klasse von eins bis fünf quali- fiziert. Die Ratingagentur Scope hat das Angebot der derzeit in Deutschland zuge- lassenen ELTIFs daraufhin untersucht und 46 von insgesamt 53 Evergreen-ELTIFs als geeignet ausgemacht. Neben einem höheren Risiko können Privatmarktprodukte auch ein größeres Chancenpotenzial in die Altersvorsorge- depots tragen. „Die Vorteile von Alter- natives sind unbestritten. Sie tragen dazu bei, ein Portfolio breiter zu diversifizieren, und ermöglichen, von einer zusätzlichen Illiquiditätsprämie zu profitieren“, sagt Schröm. Binder weist auf einen anderen Punkt hin: die breitere Streuung der Ergebnisse von Privatmarktprodukten. Während ein guter Aktienfondsmanager einem schlechten Mitbewerber über die Jahre meist gar nicht so viel an Perfor- mance abnehme, klafften die Renditen der besten und schlechtesten Private- Equity-Fonds weit auseinander. „Unsere Rolle besteht darin, die richtigenManager auszusuchen“, sagt Binder. Risikobewertung Wie problematisch die Orientierung an der SRI-Klassifizierung sein kann, beschreibt Fondsanalystin Sonja Knorr von der Ratingagentur Scope: „Der Risi- koindikator ist keine statische Größe, son- dern kann sich im Zeitverlauf verändern. Damit stellt sich für das AVD die Frage, wie mit bereits im Portfolio befindlichen Produkten umzugehen ist, deren Risiko- klasse nachträglich über die vorgesehene Grenze steigt. Sollte die regulatorische Anforderung nicht nur zum Zeitpunkt der Investition, sondern auch während » Das freie Alters- vorsorgedepot bringt komplexere Heraus- forderungen mit sich. « Holger Schröm, J.P. Morgan AM fondsprofessionell.de 3/2026 223 FOTO: © IZZY DEMPSEY I NAO, CHRISTIAN MAI PHOTOGRAPHY I HANSAINVEST Robin Binder, Nao: „Der Anlagehorizont von Private-Market-Produkten passt perfekt zur Langfristigkeit von Altersvorsorgedepots.“ Jörg Stotz, Hansainvest: „Als Anbieter eines AVD werdenwir Vertragspartner der Endkunden und kümmern uns umdie administrative Infrastruktur.“

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