FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Auf Hochglanz poliert Viele Anbieter von Berufsunfähigkeitspolicen werben mit günstigen Tarifen und immer besseren Leistungen. Das geht womöglich auf Kosten der Stabilität, warnen Ratinghäuser. M an glaubt es kaum: Nach jahrelan- gem Trommeln für die Absiche- rung gegen Berufsunfähigkeit (BU), in das auch Verbraucherschützer eingestimmt haben, ist die Versorgungslage immer noch bescheiden. Laut Versichererver- band GDV steht 46 Millionen Erwerbs- tätigen ein Bestand von nur rund sechs Millionen Policen zur Arbeitskraftabsi- cherung (selbstständige Invaliditätsversi- cherungen) gegenüber. Nach GDV-Anga- ben kamen 2024 nur rund 440.000 neue Policen hinzu. „Die Absicherungsquote bleibt damit auf einem gesellschaftlich unbefriedigenden Niveau, das Neuge- schäft stagniert“, betont Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg (FuB) in Hannover. Die Niedersachsen legen mit zahlrei- chen Marktanalysen seit vielen Jahren den Finger in die Wunde und filtern mit verschiedenen Ratings für Vermittler pas- sende Anbieter und Angebote heraus. Den anhaltenden Preiswettbewerb imBU- Markt sieht Franke zwiespältig, beschwö- ren sinkende Beiträge für viele Berufsgrup- pen und wachsende Leistungsversprechen in den Allgemeinen Versicherungsbe- dingungen (AVB) doch Gefahren für die Stabilität und die tatsächliche Leistungs- praxis im BU-Fall herauf. Die entschei- dende Frage ist: Halten die Versicherer im Leistungsfall, was sie versprechen? Im Prinzip ja, aber …, könnte man in Bezug auf die zehnte BU-Leistungspraxis-Stu- die von FuB sagen, die im Frühsommer 2026 auf Basis von Daten des Jahres 2024 erschienen ist. Immerhin zahlen die untersuchten 16 Versicherer, die 9,31 Millionen BU- Bestandskunden betreuen und 2024 über 36.000 BU-Leistungsanträge entschieden haben (60 Prozent des Marktes), in knapp 80 Prozent aller Anträge auf BU-Leistung. In Abhängigkeit von der Rentenhöhe schwanken die Anerkennungsquoten zwi- schen 73 und 83 Prozent (siehe Grafik nächste Seite). Neben der Datenanalyse setzt FuB auch auf Stichproben vor Ort. Die Analysten ziehen mindestens 125 Schadenakten je Gesellschaft heran, insge- samt mehr als 1.650 Leistungsfälle, wobei Ablehnungen mit 60 Prozent übergewich- tet werden, weil sie ein höheres Konflikt- potenzial bergen. 192 Tage Wartezeit Wermutstropfen: Die durchschnittliche Regulierungsdauer ist 2024 erneut gestie- gen, von 189 auf 201 Tage. „Steigende Regulierungsdauern sind kein Kavaliers- delikt, wenn Menschen in einer existen- ziellen Situation auf ihre Leistungen war- ten müssen“, findet Franke. Bei Anerken- nungen beträgt die Regulierungsdauer durchschnittlich 192 Tage, bei Ableh- nungen 208 Tage. Den höchsten Wert weisen Leistungsfälle aufgrund psychi- scher Erkrankungen auf: Hier dauert eine Anerkennung im Schnitt 286 Tage, eine Ablehnung 278 Tage. Als Gründe Schöner Schein: Ein glänzender Lack lässt das Auto gleich viel hochwer- tiger erscheinen. Ähnlich ist es bei BU-Policen: Gute Leistungen wirken attraktiv. Dochwas sind diese Versprechen imErnstfall wert? » Das Ratingurteil kann in die Irre führen. « Frank Dietrich, Fachmakler 238 fondsprofessionell.de 3/2026 FONDS & VERSICHERUNG Berufsunfähigkeit FOTO: © INDUSTRIEBLICK | STOCK.ADOBE.COM

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