FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026

Leider gestrichen Manche Anbieter von Fondspolicen bilden Schlussüberschüsse, die für die Versicherungsnehmer Risiken bergen. Darüber sollten Vermittler ihre Kunden rechtzeitig aufklären. I n einem solchen Fall wäre wohl jeder Fondspoliceninhaber richtig sauer: Zwei Jahre vor Ablauf der Ansparphase von 32 Jahren hatte der Versicherer noch mitgeteilt, die mögliche Ablaufleistung werde sich nach dem aktuellen Stand auf 100.000 Euro belaufen. Die darin ent- haltenen Überschüsse hatte die Versiche- rung mit 20.000 Euro beziffert. Doch als der Vertrag dann fällig wird, stellt sich heraus: Statt 100.000 Euro bekommt der Kunde nur 90.000 Euro ausge- zahlt. Die Dif- ferenz von 10.000 Euro waren Schluss- überschüsse – und die hat der Versicherer im letzten Jahr vor Ablauf der Ansparphase gestrichen. Zugegeben, der beschrie- bene Fall hat sich so nicht ereignet. Zumindest theoretisch ist es aber möglich, dass Anbieter von Fondspolicen sogenannte Schlussüberschüsse im Jahr vor der Fälligkeit streichen. Denn anders als die laufenden Überschussbeteiligun- gen, die dem Versicherungsnehmer ein- mal pro Jahr verbindlich gutgeschrieben werden, sind Schlussüberschüsse wider- rufliche Überschüsse. Unsicherheitsfaktor Erst im letzten Jahr der Ansparphase entscheidet der Versicherer, ob er sie dem Kunden endgültig gutschreibt. Was für das Unternehmen eine Art Sicherheitspuffer für den Fall unerwartet steigender Kosten ist, stellt für den Poli- ceninhaber einen Unsicherheitsfaktor dar. Immerhin: Ob ein Fondspolicenanbieter Schlussüberschüsse bildet oder nicht, können Vermittler mittlerweile in einigen Vergleichsrechnern erkennen. Schlussüberschüsse sind in der klassi- schen Lebensversicherung üblich. Damit bilden Versicherer sozusagen einen Liqui- ditätspuffer für den Fall, dass sie vor Jahr- zehnten abgegebene Garantien nicht stemmen können. „Doch auch bei fonds- gebundenen Rentenversicherungen ganz ohne Garantien sind Überschüsse dieser Art keine Seltenheit“, sagt Axel Kleinlein, Inhaber von Mathconcepts, einemUnter- nehmen für versicherungsmathematische Gutachten. Wie klassische Lebensversi- cherungen haben auch Fondspolicen sehr lange Laufzeiten. Daher müs- sen die Anbie- ter ihre Kosten auf Jahrzehnte im Voraus planen und dabei vor- sichtig vorgehen. So setzen sie etwa ihre Risiko- und Ver­ waltungskosten in der Kalku- lation lieber etwas höher an als tatsächlich erwartet (siehe Kasten auf Seite 262). Fallen diese dann niedri- ger aus oder zahlen Fondsgesellschaften höhere Rückvergütungen als angenom- men, so bilden die Versicherer aus der Differenz jährlich Überschüsse, die dem Kunden gutgeschrieben werden. „Einige Anbieter von Fondspolicen schreiben den Versicherungsnehmern die Über- Pech gehabt: Einige Anbieter von Fondspolicen bilden Schlussüberschüsse. Für den Versicherungsnehmer kann das ungünstig sein, denn diese „Reserve“ darf ein Assekuranzunternehmen noch kurz vor Auszahlung der Police streichen. 260 fondsprofessionell.de 3/2026 FONDSPOLICEN SPEZIAL Schlussüberschüsse FOTO: © MAK | STOCK.ADOBE.COM

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