FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2026
tion, in die Gespräche miteinzubeziehen. Zuweilen ist es auch andersherum: Die Kinder kommen zu uns, weil die Eltern das Thema Nachfolge von sich aus ein- fach nicht angehen. Auch in diesen Fäl- len versuchen wir, beide Generationen zusammenzubringen. Selbstverständlich hat ein 30-Jähriger andere Themen und Fragen als sein vielleicht 65-jähriger Vater. Aber wir möchten, dass sich beide bei uns ganzheitlich beraten fühlen. Es ist aber oft zu hören, dass gerade die Millennials, also die zirka zwischen 1981 und 1996 Geborenen, ganz andere Ansprüche an Finanzberatung und Ver- mögensverwaltung haben als die Gene- ration ihrer Eltern. Ja, es gibt natürlich junge Anleger, für die alles jederzeit digital verfügbar sein muss. Die kaufen vielleicht am Sonntag- abend auf der Couch über ihre Trading- App noch mal schnell einen globalen ETF. Das ist in der jüngeren Generation ausgeprägter als bei den Senioren. Aber eine Trading-App mag in Konkurrenz zum Finanzberater stehen, nicht jedoch zum Financial Planner. Meine Aufgabe ist es ja, strukturierte Fragen zu stellen und dann einen kompletten, ganzheitli- chen Vermögensplan aufzustellen. Mit welchen Fragen undAnliegenkommen denn jüngere Kunden zu Ihnen? Häufig geht es darum, mit dem Berufsein- stieg einen geordneten Vermögensaufbau zu starten. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Denn oft denken Leute in meiner Generation, sie hätten einen Anlagehorizont von unge- fähr 35 Jahren, wollen ihr Geld in globale Aktien investieren und bis zum Ruhe- stand arbeiten lassen. Dann müssen wir erst einmal darüber sprechen, dass das nur für einen Teil des Kapitals die richtige Strategie ist. Wer Anfang 30 ist, möchte vielleicht in den kommenden zehn Jah- ren heiraten, ein Haus bauen oder kau- fen, Kinder bekommen. Das sind alles Ereignisse, für die ich einen wesentlich kürzeren Anlagehorizont definieren und teilweise andere Finanzprodukte auswäh- len muss. Das zeigt anschaulich, wie gutes Financial Planning funktioniert: Es ist auch Lebensplanung. Gehen Sie davon aus, dass Sie eines Tages auch die Kinder der heute jungen Leute betreuenwerden? Ja, ich habe neulich spaßeshalber mal gesagt, dass bei uns die am besten aufge- stellten Kunden die Kinder unserer Man- danten sind. Sie haben fast alle bereits früh ein Kinderdepot. Jugendliche im Alter ab 15 Jahren sitzen oft schon mit in den Gesprächen über die Gesamtver mögenssituation der Familie. Es gibt immer wieder Studien dazu, wie viel Geld Vermögensverwaltern verloren geht, wenn Kunden versterben und die Hinterbliebenen zu einem anderen Finanzdienst- leister wechseln. Der innere Wechsel geschieht aber schon viel früher, weil kein Vertrauen auf- gebaut wird. Wenn man sich hingegen bemüht, mehrere Generationen in einer Familie zu betreuen, kommt es dazu nicht. Vielen Dank für dasGespräch. ANDREAMARTENS FP KURZ-V I TA : Yannick Schneller Yannick Schneller hat BWL studiert und ist als Certified Financial Planner beim Finanzdienstleister Ypos Vermögens- management in Darmstadt tätig. » In der Finanzplanung geht es darum, lang- fristige Beziehungen aufzubauen – auch generationenüber- greifend. « Yannick Schneller, Ypos Vermögensmanagement fondsprofessionell.de 3/2026 345 FOTO: © YPOS VERMÖGENSMANAGEMENT | BEIGESTELLT
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